Exoten ausgesetzt

Praktische „Entsorgung“

 

Zwei Rotwangen-Schmuckschildkröten im Trüllketal bei Goslar ausgesetzt

 

Goslar. Seit geraumer Zeit ist ein Trend zu beobachten, der sowohl Tier- als auch Naturschutzer in Besorgnis versetzt. Exotische Tiere werden angeschafft, nach einiger Zeit lastig und dann bestenfalls abgegeben oder schlimmstenfalls ausgesetzt. Auf Anfrage erfuhr Gerwin Barecke, 1. Vorsitzender der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V., von der Leiterin der Wildtier- Auffangstation des NABU in Leiferde bei Braunschweig, dass dort wöchentlich mehrere Exoten wie Schildkröten und Papageien landen. Offensichtlich wird also nicht nur Plastikmüll entsorgt, das geht auch mit Lebewesen.

Die Anfrage hatte einen Grund: Irgendein verantwortungsloser Zeitgenosse hat zwei Rotwangen-Schmuckschildkröten in einem der Teiche des Amphibienbiotops im Trüllketal ausgesetzt. Ganz davon abgesehen, dass die beiden den Winter wahrscheinlich nicht überleben werden, hat das auch für die Lebewelt im Biotop schlimme Folgen. Diese Tiere geben sich nicht mit pflanzlicher Nahrung zufrieden, sondern vergreifen sich auch an Kaulquappen und Libellenlarven, die dort leben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieser Lebensraum von der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. erst vor kurzer Zeit erworben und renaturiert wurde. Gerade die Teiche sind mit einem immensen Aufwand an Finanzmitteln und ehrenamtlicher Arbeit in ein Amphibienbiotop umgestaltet worden. Frosch, Kröte und Molch können hier aus ihren Überwinterungsarealen einwandern und sich fortpflanzen, ohne dass sie eine Straße überqueren müssen. Derartige Biotope sind selten genug; Krötenzäune, Hinweisschilder und leider auch viele überfahrene Amphibien erinnern in jedem Frühjahr daran.

 

Der Biotop der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. im Trüllketal  Foto: Regine Schulz

Ein weiterer Aspekt betrifft die Libellen, deren Larven sich ebenfalls im Wasser entwickeln müssen.

 

Auch für sie ist dieser Lebensraum von der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. umgestaltet worden. Wie bei Amphibien sind auch viele Libellenarten durch Verlust ihrer Lebensräume extrem bedroht.

 

Was blieb den Naturschützern übrig, als in einer spontanen, aufwändigen Aktion die beiden Schildkröten einzufangen und und auf Kosten des Vereins nach Leiferde zu bringen. Der Fang solcher Tiere ist nicht ganz einfach, insgesamt mehr als sechs Stunden waren erforderlich, bis schließlich beide Tiere buchstäblich ins Netz gegangen waren. Die Eile war geboten, um größere Schäden abzuwenden. Immerhin ist jetzt die Zeit, in der Kaulquappen und Libellenlarven am stärksten gefährdet sind.

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Das Ganze widerspricht nicht nur dem Tierschutz, es ist auch Faunenverfälschung und eine bodenlose Respektlosigkeit gegenüber der ehrenamtlichen Arbeit eines Naturschutzvereins. Im Übrigen bleibt zu erwähnen, dass es durchaus empfindliche Konsequenzen geben kann. Die Aussetzung ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit erheblichen Geldbußen geahndet werden.

 

Angesichts dessen und eingedenk der Tatsache, dass es sich hier schon beinahe um ein Massenphänomen handelt, sollte von der Politik erwogen werden, eine Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht zu etablieren. Noch besser wäre ein Verbot des Handels.

 

 

Gerwin Bärecke

 

1. Vorsitzender der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V.

 

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