Amphibienschutz - alle Jahre wieder

Wandernde Erdkröten
Wandernde Erdkröten

Vom 25. Februar bis 18. April 2021 haben Amphibienschutzhelfer, es sind Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V., die alljährlichen Amphibienschutzmaßnahmen an der B 241 zwischen Goslar und Vienenburg gegenüber der Mergelgrube Krähenholz durchgeführt und jetzt nach vorhandenen Möglichkeiten erfolgreich abgeschlossen.

 

Seit 1984, damals noch vom BUND der Arbeitsgruppe Biotop und Artenschutz, dann ab 1987 von der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V., wurde die Amphibienwanderung an der B 241 zwischen Goslar und Vienenburg am Krähenholz betreut.

 

Das heißt, dass über 37 Jahre an diesem Ort ehrenamtliche Helfer sich um den Artenschutz verdient gemacht haben. Darüber hinaus hat die Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums wissenschaftliche Daten über die Wirksamkeit der zwei eingebauten Krötentunnel vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr gesammelt.

Archivfoto: Amphibienschutzhelfer - Mitglieder der Natur- und Umwelthhilfe Goslar e. V. und der Immenröder Bürgergemeinschaft im Jahr 2013
Archivfoto: Amphibienschutzhelfer - Mitglieder der Natur- und Umwelthhilfe Goslar e. V. und der Immenröder Bürgergemeinschaft im Jahr 2013

Das waren bewegende Zeiten, so berichtet Vereinsgründer und Ehrenvorsitzender der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. Volker Schadach, der dem internen Krötenteam angehört, um sein Wissen weiterzugeben. Motiviert, jung und dynamisch machten sich die Vereinsmitglieder an die Arbeit – das ist aber über 35 Jahre her. Die Unterstützungen der Behörden mussten mühsam erarbeitet werden. Waren dennoch nicht immer erfolglos: Zwei Krötentunnel, ein fester Leitschutzzaun wurden vom Straßenbauamt Goslar installiert. Hinzu kommt ein Fallgitter am Übergang des Feldweges zur Bundesstraße B 241 im Rahmen einer Ersatzmaßnahme von der Unteren Naturschutzbehörde.

Es mangelte stets an Material und Geld. Bis heute hat sich da nicht viel geändert.

 

Archivfoto: 2013 - Aufbau des mobilen Amphibien-Schutzzaunes
Archivfoto: 2013 - Aufbau des mobilen Amphibien-Schutzzaunes

Naturschützer und Naturfreunde wünschen sich, ja fordern heute mehr Unterstützung von der Naturschutzbehörde und vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr, die eigentlich dafür zuständig sind.

Kein Wunder, die Vereine, vor allem die Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. sind mit den Jahren an ihre Grenzen gekommen. Es fehlt der Nachwuchs und finanzielle Mittel. So sind zum Beispiel die Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. nicht mehr in der Lage einen mobilen Frosch-Schutzzaun über eine Länge von 300 m oder mehr aufzubauen. Die zweimalige tägliche Betreuung (das Leeren der Eimer und das Tragen der Amphibien über die Straße zu den Laichgewässern) konnte und kann nicht mehr regelmäßig gewährleistet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ein älteres Video über laufende Amphibienschutzmaßnahmen am Krähenholz.

 

Bericht: Regine Schadach

Kamera: Regine Schadach, Volker Schadach, Gerwin Bärecke


Aber zu einem Stichtag aufgeben, das ist keine Option für uns Amphibienschutzhelfern. Die Amphibien brauchen gerade jetzt noch mehr Hilfe, denn das weltweite Sterben unserer Amphibien ist auch bei uns schon lange sichtbar. Dazu zählen unsere Froschlurche (Anura), das sind Frösche, Kröten und Unken, die Schwanzlurche (Caudata), dazu gehören die Molche und Salamander. Ihre Bestände sind bundesweit und auch in unserem Landkreis drastisch zurück gegangen. Nicht nur die Straßen, die die Sommer-Lebensräume von ihren Laichgewässern trennen, bedrohen die Tiere. Man hat herausgefunden, dass Schadstoffe, wie zum Beispiel Herbizide, Fungizide und Mineraldünger, Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze, die Bestände zusätzlich dezimieren. So ist der Grasfrosch im nördlichen Harzvorland an vielen Orten so gut wie nicht mehr existent. Wie berichtete Volker Schadach, dort wo der Verein noch vor Jahren neue Amphibiengewässer geschaffen hatte, dauerte es nicht lange und tausende von Grasfröschen bezogen ihr neues Quartier. In den vielen von der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. geschaffenen und betreuten Feuchtbiotopen, (Flachsrotten bei Immenrode, Mergelgrube Krähenholz, Mottenberg, Hahausen, Bettingerode, Gosetal Goslar, Wiedelah, Bredelem, Grevelquelle Othfresen, Teich am Hirschberg, Teiche Innerste bei Upen) gibt es keine oder nur noch vereinzelt Grasfrösche. Die Bestände der Erdkröten gehen aber auch hier merklich zurück.

 

Im Reinbachquellwiesenbiotop am Nordberg und im Trüllketal, wo die Amphibien keine Schnellstraßen, Bundesstraßen oder Kreisstraßen überqueren müssen und keine intensive Landwirtschaft betrieben wird, kann man noch zahlreiche Grasfrösche, Kröten und Molche beobachten. (Fotos per Klick vergrößerbar)

Politik und Behörden sind zunehmend gefordert, um dem Artensterben entgegenzuwirken.

 

Für uns ehrenamtliche Helfer heißt es nicht aufzugeben. Es gibt immer noch Möglichkeiten, Maßnahmen, die leistbar sind und gerne von Naturfreunden übernommen werden.

So haben Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. an der B 241 zwischen Goslar und Vienenburg Amphibienschutzmaßnahmen durchgeführt, um die hier schon sehr schwache Population von Amphibien zu erhalten.

 

Ein kurzer Schutzzaun von je 25 m wurde links vom untertunnelten Bachverlauf und rechts vom Fallgitter auf dem Feldweg aufgebaut. Das ist eine kleine Notlösung, die sich als sehr hilfreich erwiesen hat. Ein Teil der ankommenden Amphibien konnte so zum Krötentunnel geleitet werden. Der vom Straßenbauamt Goslar fest installierte Leitzaun von ca. 15 m zwischen Fallgitter und Tunnel wurde gereinigt, denn Laub, Erde und schon aufkommende Triebe von Gehölzen machen so einen Leitzaun unbrauchbar. Das Fallgitter wurde per Hand gereinigt, so dass die Amphibien nicht die Möglichkeiten hatten auf die Bundesstraße zu gelangen.

 

 

 

Fotos: Aufbau des mobilen Leitschutzzaunes von ca. 25 m,

Fallgitter und Leitschutzzaun vor und nach der Reinigung

 

Die Erdkröten, die aus dem Wald kommen, versuchen immer auf den kürzesten Weg zu ihren Laichgewässern zu kommen. Der Bach, der von der Mergelgrube Krähenholz kommt, wird gerne als Wanderweg genutzt! Das Schwimmen ist bequemer und schneller als das mühselige Laufen im Gestrüpp. Bei den Untersuchungen für das Bundesverkehrsministerium hat man festgestellt, dass ungefähr 50 % der wandernden Amphibien durch den untertunnelten Bach gehen, informierte Volker Schadach jene, die in diesem Jahr auf seine Spuren arbeiteten. Damit ein ungehindertes Schwimmen möglich ist, wurde von den Vereinsmitgliedern die von Müll, Laub und Ästen verstopften Bereiche frei gemacht. Leider geht es auch um Müll, der von unvernünftigen Menschen gesetzwidrig entsorgt wurde.

 

Trotzdem, wir ehrenamtlichen Helfer waren mit unseren Arbeiten zufrieden. Die abendlichen Betreuungen zu den Hauptwanderzeiten der Amphibien war eine spannende Angelegenheit. Auf Grund der stark schwankenden Temperaturen in den letzten Wochen zog sich in diesem Jahr die Wanderung in die Länge. Nicht immer konnten in der Dämmerung und Abendstunden Amphibien eingesammelt und über die Straße getragen werden. Ende März, Anfang April – es wurde deutlich wärmer, war der Laichdruck so groß, dass die Amphibien auch tagsüber gelaufen sind. Das ist fatal, da das Verkehrsaufkommen am Tage höher ist als in der Nacht. Demzufolge gab es auch mehr Verkehrsopfer.

 

 

Foto: Bachverlauf wird gereinigt

Dennoch haben uns unsere Sammelergebnisse stolz gemacht. Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis, Leben gerettet zu haben. Highlight war der Fund eines Kammmolches durch Uwe Bärecke am 28. März 2021: Ein trächtiges Weibchen mit typischer Bauchzeichnung und Größe. Der Kammmolch ist streng geschützt und ist in der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere für Niedersachsen erfasst. Eine Meldung an die Untere Naturschutzbehörde erfolgte sofort und wurde freudig zur Kenntnis genommen. Die Vermutung liegt nahe, dass es hier im Krähenholz wohl eine kleine Population des Kammmolches gibt, denn im März 2014 wurde bei der Amphibienwanderung schon einmal ein Kammmolch über die Straße getragen. (Siehe nachstehende Bilder) 

Eine positive Meldung gibt es noch! Es war auffallend, wie viele Autofahrer in diesem Jahr den Fuß vom Gas genommen haben, sobald sie Froschsammler an der Straße registriert hatten. Dafür möchten wir uns recht herzlich bedanken!!

 

Und zuallerletzt, wer im nächsten Jahr mithelfen möchte, unsere nützlichen „Glitschigen“ zu retten, der kann Anfang Februar sich gerne hier über das Kontaktformular anmelden.

 

Bericht: Regine Schadach

Fotos: Regine Schadach und Uwe Bärecke